"Gemeinsam stark" – unter diesem Motto fand am 12. März im Georg-Büchner-Saal des Landratsamts Groß-Gerau eine Podiumsdiskussion zum Thema Rassismus und Diskriminierung im Fußball statt. Anlass waren die Internationalen Wochen gegen Rassismus 2019, in dessen Rahmen das Netzwerks gegen Rechtsextremismus und Rassismus in Kooperation mit dem SV 98 geladen hatten. Gemeinsam sollte erörtert werden, inwieweit Rassismus und Diskriminierung weiterhin große Themen im Fußball sind, und auf welchem Weg dieser Problematik am effektivsten entgegengetreten wird. Neben dem früheren Nationalspieler und heutigem DFB-Integrationsbeauftragen Cacau waren unter anderem auch Lilien-Profi Sebastian Hertner und der Vizepräsident des SV 98, Markus Pfitzner Teil der Gesprächsrunde.

„Sebastian Hertner ist inzwischen seit beinahe zehn Jahren als Profi auf den Fußballplätzen der Republik unterwegs. Rassistische Anfeindungen gegen Mitspieler hat er dabei auch schon erlebt: "Man bekommt es mit, versucht aber, es während des Spiels zu ignorieren", erzählte der 27-Jährige. Den Betroffenen falle das allerdings natürlich schwerer: "Die können sich in solchen Situationen vielleicht nicht mehr zu einhundert Prozent auf das Spiel konzentrieren."

"In der Mannschaft ist Rassismus ein No-Go"

Innerhalb eines Teams habe Hertner im Laufe seiner Karriere noch keinen Rassismus miterlebt: "Das war in jeder Mannschaft ein No-Go." Umso mehr solle man sich aber rassistischen Entwicklungen entgegensetzen, indem man sich aktiv gegen Diskriminierung im Sport engagiert. Sich selbst und seine Berufskollegen sieht er dabei in besonderer Verantwortung: "Gerade als Fußballer habe man in der Bevölkerung eine Vorbildfunktion – das muss man sich stets vor Augen halten", findet der Profi.

Einen ähnlichen Standpunkt vertrat auch Pfitzner, der den Fokus auf die Bedeutung des Vereins im Allgemeinen legte: "Man müsse sich immer fragen, wie ein Verein mit seiner gesellschaftlichen Bedeutung und der Möglichkeit, Leute zusammenbringen, gemeinsam Fortschritte erzielen kann." Dies sei besonders wichtig, da noch immer sehr viele Menschen überzeugt seien, dass Probleme wie Diskriminierung überbewertet seien. Eine weit verbreitete Meinung, die Pfitzner allerdings eher als Motivation ansieht, weiterhin für die richtigen Werte einzutreten. "Mit unseren Aktivitäten im Rahmen der Sozialkampagne" "Im Zeichen der Lilie" versuchen wir hier kontinuierlich aktive Arbeit zu leisten und unter anderem im Integrationsbereich mit positivem Beispiel voran zu gehen", so der Vizepräsident der Lilien.

Das Wichtigste sind "Begegnungen"

Um diese Arbeit so effektiv wie möglich zu gestalten, sei es hilfreich, verschiedene Menschen inner- und außerhalb des Vereins miteinzubeziehen. Als Beispiel nannte er die Kooperation mit dem Fanprojekt Darmstadt. Als dessen Vertreter war Nicolai Würtz zu Gast, der "Begegnungen" für eines der zielführendsten Mittel im Kampf gegen Diskriminierung befindet: Wer in Dachau auf einer Gedenkfahrt war, würde sich im Anschluss nicht in den Block stellen und antisemitische Beleidigungen in Richtung Feld schreien. "Das kann man dann nicht mehr miteinander vereinbaren", ist sich der Soziologe sicher. Gerade in der Fanszene der Lilien sieht er viel Potenzial, Diskriminierung und Rassismus entschieden entgegentreten zu können, da es eine Reihe an politisch engagierten Fanclubs gäbe.

Letztendlich war es ein Abend voller Eindrücke aus den verschiedensten Perspektiven. Es wurden Erfahrungen und Ideen geteilt, über Diskriminierung im Allgemeinen und Rassismus im Speziellen diskutiert, und vor allem nach Wegen gesucht, wie Profivereine wie die Lilien bei dieser Thematik mit dem Amateursport kooperieren können. Ein paar Stunden reichen bei einer komplexen Thematik wie dieser natürlich nicht aus, um die perfekte Lösung zu finden. Allerdings liegt das Hauptaugenmerk, wie Markus Pfitzner schon während der Diskussion unterstrich, ohnehin auf "Langfristigkeit und Kontinuität."

 

 

Hier gibts verschiedene Videoeindrücke vom Talk und den Aussagen der Podiumsgäste und Organisatoren:

 




 
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